28. BAG-Fachtagung "Praxiszugänge – Unterricht und Beruflichkeit"

Vorwort

In der Arbeits- und Berufswelt ist der ständige Wandel eine Konstante. Dies betrifft gerade die technischen Berufe und gewinnt aktuell durch die fortschreitende Digitalisierung eine beschleunigte Dynamik, die in nicht allzu ferner Zukunft durchgreifende Veränderungen in allen Bereichen unseres Lebens erwarten lässt. Zudem wird das System der Energieversorgung und -nutzung in den nächsten Jahren grundlegend umgestaltet werden, was schon jetzt bspw. durch den Ausbau von Stromtrassen und der möglicherweise schon bald vorgeschriebenen Substitution von Verbrennungsmotoren durch Elektroantriebe in den Fahrzeugen abzeichnet. Diese durchgreifende gesellschaftliche Transformation erfordert die gestaltende Mitwirkung technischer Facharbeit und wird auf deren Aufgabenprofile einwirken. Berufliche Aus- und Weiterbildung muss in diesem Zusammenhang Antworten auf neue Fragen finden.
Angesichts der sich abzeichnenden Umwälzungen ist Aus- und Weiterbildung mehr denn auf je Praxiszugänge angewiesen, um Unterricht und Beruflichkeit zukunftsorientiert in Einklang zu bringen. Es sind Berufsbildungsangebote für neue Qualifikationsanforderungen zu entwickeln, mit denen einerseits dem Fachkräftemangel begegnet und andererseits die Beschäftigung gesichert werden kann. Die Ausbildung muss die Jugendlichen auf eine Arbeitswelt vorbereiten, in der sich die Lerninhalte zunehmend von konkreten Prozessen lösen und in Programmen vergegenständlichen. Das heißt, es müssen auch denjenigen berufliche Perspektiven eröffnet werden, die sich damit schwertun. Und es wird die Notwendigkeit zunehmen, sich kontinuierlich weiterzubilden, um den Arbeitsanforderungen ein Arbeitsleben lang gerecht zu werden zu können. Vor diesem Hintergrund ist zu klären, wie sich berufliche Theorie in der beruflichen Praxis identifizieren lässt und wie berufliche Theorie in der beruflichen Praxis wirksam wird. Es stellt sich die Frage, wie durch virtuelle Lernsysteme, mittels situierter Lernaufgaben und fächerintegrierte Lernsituationen Aus- und Weiterbildung gestaltet werden können, um dem Bildungsauftrag in einer sich dynamischen wandelnden Gesellschaft gerecht werden zu können.
Die Fachtagung will diese Fragen aufgreifen und aus der Perspektive unserer Disziplinen beleuchten. Sie soll sich thematisch auf die drei Ebenen des Unterrichts und Lernens, der Bildungsgang- und Schulentwicklung und des Systems Berufsbildung beziehen.
Thomas Vollmer, Erster Vorsitzender

Plenum

Aktuelle Neuordnungsverfahren in gewerblich-technischen Berufen

Ausgelöst insbesondere durch die Digitalisierung, damit verbundenen veränderten Prozessketten und angewendeten Technologien zeichnen sich Profilverschiebungen und –verschmelzungen ab. Schnittmengen zwischen bestehenden Berufen werden größer und Berufsprofile entstehen, die mit vorhandenen Ausbildungsberufen nicht ausreichend abgedeckt sind. Mehrere vorliegende Studien zur Evaluation, Aktualität und Verwertung der jetzigen Metall-, IT- und Elektroberufe machen deutlich, dass die Struktur und die Abgrenzung der Einzelberufe mindestens in Teilbereichen änderungswürdig sind und Ausbildungsordnungen einer konzeptionellen und inhaltlichen Aktualisierung bedürfen.
Vor diesem Hintergrund wurde auf Grundlage einer gemeinsamen Initiative von Gesamtmetall, IG-Metall, dem Verband deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) und dem Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) ein konkreter Anpassungsprozess der wichtigsten Metall- und Elektroberufe in Gang gebracht, der zunächst in Änderungsverordnungen zu den Berufen mündet.
Gegenwärtig werden auch die IT-Berufe durch eine Teilnovellierung aktualisiert. Hier ist ein anschließendes umfassenderes Neuordnungsverfahren bereits absehbar.
In dem Beitrag werden die Änderungen kurz vorgestellt, erläutert und bewertet.
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Dr. Gert Zinke
Bundesinstitut für Berufsbildung - BIBB
zinke@bibb.de

„Additive Fertigungsverfahren“ im Unterricht berufsbildender Schulen

Kurzbeschreibung folgt.
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Prof. Dr.-Ing. Henning Zeidler
Institut für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung TU Freiberg
henning.zeidler@imkf.tu-freiberg.de

Entwicklung nachhaltiger Lernorte

Kurzbeschreibung folgt.
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Dr. Klaus-Dieter Mertineit
Institut für nachhaltige Berufsbildung & Management-Services
kd.mertineit@nachhaltige-berufsbildung.com

Berufliche Bildung und Studierfähigkeit - Zur Entwicklung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulstudium als Chance für die Attraktivität des beruflichen Bildungssystems im Wettbewerb um hoch qualifizierte Jugendliche

Kurzbeschreibung folgt.
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Prof. Dr. Klaus Jenewein
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
jenewein@ovgu.de

Symposium: Durchlässigkeit und Wertschätzung für berufliche Kompetenzen - Modelle für die Überwindung der Hemmnisse zwischen Berufsbildungs- und Hochschulsystem

Das Symposium soll dazu beitragen, die Diskussion um die Durchlässigkeit beruflicher und hochschulischer Bildungssysteme zu befeuern und Anstöße durch neue Ideen zu geben. Durchlässige hochschulische wie schulische Bildungssysteme sind nach Auffassung der Bundesarbeitsgemeinschaften Voraussetzungen zu einer beruflichen Praxis auf hohem Niveau.
Es gbt eine Vielzahl aktueller und geplanter Modelle an den Universitäten, Hochschulen und Fachschulen, die zu diesem Ziel führen sollen. Die Notwendigkeit solcher Modelle wird nicht allein durch den Aufstiegswunsch bzw. den Wunsch nach Berufs-/Studienwechsel bestimmt, sondern beruht auch auf dem Mangel an Interessenten und Bewerbern für berufspädagogische und ingenieurswissenschaftliche Studiengänge.
Noch kann man nicht von standardisierten Wegen zwischen den Bildungssystemen sprechen, was letztlich auch dazu führt, dass die im Deutschen Qualifikationsrahmen beschriebenen Kompetenzen und Niveaus sich in Weiterbildungsbiographien noch nicht in einem nennenswerten Maße abbilden.
Das Symposium bietet die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, den Bedarf zu konkretisieren und Best Practice in einen Entwicklungsprozess einfließen zu lassen, der sich zz. nur schemenhaft erkennen lässt und der dringend konkrete Konturen annehmen muss, weil er nur so im berufsbildungspolitischen Diskurs wahrgenommen werden kann.
Ulrich Schwenger

Validierung durchlässigkeitsrelevanter Kompetenzen

Der Beitrag beleuchtet die technische berufliche Aufstiegsfortbildung im Licht des Europäischen bzw. Deutschen Qualifikationsrahmens (EQF bzw. DQR) und den in ihnen implizierten Annahmen einer beruflichen und akademischen Gleichwertigkeit. Ausgehend von diesem Beschreibungsinstrument wird beleuchtet, inwieweit es notwendige, gewünschte oder auch realisierte Wege gibt, die in eine umfassende Bildung in der Beruflichkeit führen, wo innovative Ansätze zu beobachten sind und welche Hürden noch überwunden werden müssen. Ausgangspunkt dieser Betrachtung ist der von den deutschen Fachschulen verliehene Abschluss zum/zur Staatlich geprüften Techniker/-in und seine Einordnung im Deutschen bzw. Europäischen Qualifikationsrahmen.
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Oberstudiendirektor a. D. Dipl.-Ing. Ulrich Schwenger
Bundesarbeitsgemeinschaften für Berufsbildung in den Fachrichtungen Elektro-, Informations-, Metall-, Fahrzeugtechnik e. V.
schwenger@bag-elektrometall.de

Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen

Spätestens mit der Aufnahme des Lebenslangen Lernens in den Zielkatalog des Bologna-Prozesses im Jahr 2001 nimmt die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung einen prominenten Platz auf der bildungspolitischen Agenda in Deutschland ein. So hat die Kultusministerkonferenz seit 2002 mehrere Beschlüsse zur Anrechnung von außerhochschulisch erworbenen Kompetenzen sowie zum nicht-traditionellen Hochschulzugang gefasst. Auch beim Dresdner Bildungsgipfel 2008 haben sich die Regierungschefs von Bund und Ländern zur Förderung der Durchlässigkeit bekannt. Auf der operativen Ebene wurden mit der ANKOM-Initiative (2005 bis 2011) und dem Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ (seit 2011) Förderprogramme aufgelegt, um die Durchlässigkeit zu verbessern. In diesem Rahmen – aber auch in zahlreichen regionalen Förderlinien der Länder und einzelner Hochschulen – sind zahlreiche Projekte entstanden, die sich vor allem um die drei Themenfelder Hochschulzugang/Anrechnung, Studienorganisation/-inhalte sowie Informations-/Beratungs-/Unterstützungsangebote gruppieren lassen. In diesem Beitrag wird der aktuell erreichte Stand bei der Durchlässigkeit anhand von Beispielen aus den drei genannten Themenfeldern dargestellt. Außerdem wird nach übergreifenden Gelingensbedingungen für die Durchlässigkeit gefragt.
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Dr. Ulf Banscherus
Technische Universität Berlin
ulf.banscherus@tu-berlin.de

Studieren ohne Abitur: Chance fürs berufliche Lehramt

Politisch mit hoher Priorität versehen, jedoch geht die Umsetzung nur langsam voran: Menschen ohne Abitur studieren in Deutschland nach wie vor sehr selten.
Die Zahl der Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife ist in den vergangenen Jahren leicht angestiegen, ohne jedoch über eine Randgruppe hinaus zu wachsen. Aufgrund dieser Entwicklungen ist es von großem Interesse herauszufinden, was die Gründe für die geringe Nachfrage sind und unter welchen Rahmenbedingungen diese Studierenden in technischen Studiengängen erfolgreich sind oder auch scheitern. Wichtig ist, herauszufinden, welche Erfahrungen diese Studierenden in berufsbegleitend organisierten, technisch ausgerichteten universitären Studiengängen machen. Am Beispiel eines Bachelorstudiengangs „Berufliche Bildung mit den beruflichen Fachrichtungen Elektrotechnik-Informationstechnik sowie Metalltechnik-Fahrzeugtechnik“, soll gezeigt werden, welche Herausforderungen auf nicht-traditionelle Studierende, wie Meister/-innen und Techniker/-innen, in einem technisch ausgerichteten universitären Studium zukommen. Aufgezeigt werden soll auch, unter welchen Rahmenbedingungen für diese Zielgruppe die Abbruchrisiken reduziert werden können und ein erfolgreiches Studium möglich ist.
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Prof. em. Dr. Dr. h.c. Georg Spöttl
Steinbeis Foundation
spoettl@uni-bremen.de

Berufliche Bildung - Durchlässigkeit als Garant für Chancengleichheit

Kurzbeschreibung folgt.
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Oberschulrätin Petra Jendrich
Ausschuss für berufliche Bildung - Kultusministerkonferenz
Petra.Jendrich@bildung.bremen.de

Türen öffnen für den beruflich-akademischen Aufstieg

In Zeiten von technischem Nachwuchsmangel und zu langen Bildungswegen, kommt der Anerkennung beruflicher Kompetenzen eine große Bedeutung zu!
Insbesondere unter dem Gesichtspunkt von Durchlässigkeit und Wertschätzung für berufliche Bildung und deren implizierten Kompetenzen werden derzeit die Bildungsbiografien dual gebildeter Absolventen in der deutschen Hochschullandschaft kaum oder zu gering bewertet und angerechnet.
Berufliche Handlungskompetenz die über eine Duale Ausbildung erworben wurde und durch eine 2-jährige Fachschulausbildung mit DQR 6-Niveau-Abschluss „höchstmöglich veredelt“ wird, findet weder beim Zugang zur Bachelorausbildung, noch bei einem möglichen Lehramtsstudium die erforderliche formale Berücksichtigung.
Die unterschiedlichen Bewertungssysteme von fachlicher Inhaltssystematik der Hochschulen und die berufliche Handlungskompetenzorientierung der beruflichen Bildung scheinen formal inkompatible und führen in Folge fehlender Vergleichbarkeit zu keinem gesteigerten Interesse an hochschulischer Ausbildung.
Dies soll jedoch im Workshop der Tagung verdeutlicht und überwunden werden und Lösungsansätze einer Vergleichbarkeit entwickelt werden.
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OStD Norbert Heucke
Technikakademie der Stadt Braunschweig
norbert.heucke@ta-bs.eu

Durchlässigkeit und Anrechnung am Beispiel des Projektes Techniker2Bachelor

Seit 2014 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das an der TU Clausthal angesiedelte Projekt Techniker2Bachelor. Ziel des Projektes ist es die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung in beide Richtungen zu erhöhen. Während der ersten Förderphase wurden bundesweit für vier kooperierende Technikerschulen pauschale Anrechnungen ausgearbeitet. Diese pauschalen Anrechnungen befinden sich derzeit in der Erprobungsphase. Die Absolventinnen und Absolventen der kooperierenden Technikerschulen bekommen beruflich erworbene Kompetenzen, auf ein Bachelorstudium Maschinenbau an der TU Clausthal angerechnet. Durch diese Anrechnung verkürzt sich die Regelstudienzeit von sechs auf vier Semester. Es ist dabei zu beachten, dass sich diese Anrechnung nicht zwingend auf die ersten beiden Semester des Bachelorstudiums bezieht, sondern bereits erworbene Kompetenzen aus dem gesamten Studienverlauf angerechnet werden. Bisher konnte das verkürzte Bachelorstudium in einem Fall erfolgreich erprobt werden.
Es gibt immer wieder Interessenten für ein verkürztes Bachelorstudium, die nicht von einer der kooperierenden Technikerschulen kommen. Für diese Technikerinnen und Techniker ist für die zweite Förderphase die Ausarbeitung einer allgemein anwendbaren Anrechnung für Maschinenbautechniker geplant. Diese sogenannte Basisanrechnung wird voraussichtlich einen geringeren Leistungsumfang haben, als die ausgearbeiteten pauschalen Anrechnungen für die kooperierenden Technikerschulen. Die Basisanrechnung, welche die Überschneidung der Kompetenzen aller Maschinenbautechnikerausbildungen abbildet, soll mit der individuellen Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen kombinierbar sein. Durch die Möglichkeit einer Basisanrechnung erhöht sich für alle Technikerinnen und Techniker die Planungssicherheit für ein Maschinenbaustudium an der TU Clausthal.
Als weiteres großes Arbeitspaket soll in der zweiten Förderphase der Weg vom Studium zum Techniker genauer untersucht und erprobt werden. Dabei soll unter anderem erarbeitet werden, ob es möglich ist, durch ein Studium erworbene Kompetenzen pauschal auf eine Ausbildung zum Techniker anzurechnen. Durch die Analyse und Erprobung des Weges von der hochschulischen in die berufliche Bildung soll erreicht werden, dass mehr Studienabbrecher im Bereich der MINT-Fächer verbleiben und so dem Fachkräftemangel entgegengewirkt wird.
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Prof. Dr.-Ing. Armin Lohrengel
Technische Universität Clausthal-Zellerfeld
lohrengel@imw.tu-clausthal.de

Offene Hochschulen - Ein Statement

In der Vergangenheit wurden im Rahmen unterschiedlicher Förderprogramme von Bund und Ländern zahlreiche Projekte durchgeführt, die den Übergang beruflich qualifizierter Studieninteressierter ohne schulische Studienberechtigung in ein Hochschulstudium begleitet und unterstützt haben. Als besonders hilfreich haben sich hierbei Angebote erwiesen, die niedrigschwellig angelegt und flexibel ausgestaltet waren – beispielsweise als studienvorbereitendes Propädeutikum. Vor dem Hintergrund des bestehenden Mangels an Lehrkräften an beruflichen Schulen könnte eine Strategie zur Gewinnung zusätzlicher Studierender darin bestehen, gezielt Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Aufstiegsfortbildung anzusprechen und ihnen durch ein entsprechendes Unterstützungsangebot eine Brücke ins Studium zu bauen. Hierzu könnte auf die Erfahrungen aus den bestehenden Modellprojekten zurückgegriffen werden.
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Dr. Ulf Banscherus
Technische Universität Berlin
ulf.banscherus@tu-berlin.de

Karriere im Beruf - Höhere Berufe müssen gleichwertig sein

Der Bundesverband für höhere Berufe fordert seit langem, dass die heutigen Staatl. gepr. Techniker/-innen nicht am Endpunkt einer beruflichen Karriere stehen dürfen. Die berufiche Aufstiegsfortbildung kann viel mehr, was - zumindest auf dem Papier - in den Formulierungen des Deutschen Qualifikationsrahmens vorweggenommen und nur in wenigen Bereichen umgesetzt ist. Daher ist die Frage nach der Durchlässigkeit nur ein Teil der Debatte und so darf es in der Technikerausbildung auch kein Tabu sein, eine Neuordnungsdebatte anzustoßen, deren Ziel eine berufliche Weiterbildung zumindest bis zur Stufe 7 des DQR garantiert. Erst dann wird der gesamte berufliche Bildungsweg wieder interessant und der Einstieg über die Facharbeit nicht zu einer Sackgasse. Das wäre auch ein wirkungsvolles Mittel gegen den Facharbeitermangel.
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Gerard Wolny
Bundesverband höherer Berufe der Technik, Wirtschaft und Gestaltung e.V.
wolny@bvt-online.de

Anrechnung – ein Weg der Kompromisse

Erfahrungsbericht aus dem Pilotprojekt „Weiterentwicklung von Übergang und Integration staatlich geprüfter Techniker/-innen in ingenieurpädagogische Ausbildungsprogramme zum Lehramt an berufsbildenden Schulen“
Die Anrechnung der außerhalb des Hochschulwesens erworbenen Kompetenzen ist ein Grundstein der Durchlässigkeit im Bildungssystem. Ein zielgruppegerechtes Anrechnungsverfahren motiviert beruflich Qualifizierte ein Studium aufzunehmen und dient der Akquise der Studieneinsteiger. Demensprechend ist es ein geeignetes Instrument in den Zeiten der Fachlehrersmangel, um zukünftige Studierende für ingenieurpädagogischen Fachrichtungen (wir Elektro-, Metall- oder Informationstechnik) anzusprechen. An der Entwicklung eines solchen Verfahrens wird im Rahmen des oben genannten Pilotprojektes gearbeitet. 
Im Wintersemester 2017 startete die erste Kohorte der Berufserfahrenen im Programm Bachelor of Science (B.Sc.) „Berufsbildung“, für die ein kombiniertes Anrechnungsverfahren entwickelt und evaluiert wird. Zum größten Teil besteht die Gruppe aus staatlich geprüften Technikern der Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik, die umfangreiche berufliche Kompetenzen sowohl aus dem Berufsleben als auch aus der Aus- und Fortbildung mitbringen.
Inzwischen liegen für Metalltechnik Analyseergebnisse (Modulbeschreibungen, Vorlesungs- und Prüfungsunterlagen einerseits und Lehrpläne der Fachschule für Technik einschließlich Prüfungsaufgaben andererseits) sowie Erfahrungen in der konkreten Arbeit mit Studierenden vor. Ebenso existiert eine Konzeption zur differenzierten Förderung/Unterstützung von beruflich qualifizierten Studierenden in der Studieneingangsphase. Darüber hinaus werden aktuell verschiedene qualitative Studien durchgeführt, die Aussagen zu Motivation und Erwartungen, Studienerfahrungen sowie reflektierten Einschätzungen der Studierenden dokumentieren.
Der Beitrag fasst diese Aspekte zu einem aktuellen Entwicklungsbericht zusammen und wird diese insbesondere unter der Frage thematisieren, mit welchen Leitlinien in Zusammenarbeit mit den Fachschulen des Landes Sachsen-Anhalt eine curriculare Weiterentwicklung der Bildungsgänge unter dem Aspekt der Studierfähigkeit erfolgen kann. Hierzu werden auch auf die angesprochenen aktuellen Forschungsergebnisse aufgezeigt.
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Dr.-Ing. Olga Zechiel
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
olga.zechiel@ovgu.de

Studienmotive, Problemlagen sowie Stärken und Defizite beruflich qualifizierter Studierender in der Studieneingangsphase ingenieurpädagogischer Studiengänge

Kurzbeschreibung folgt.
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Julia Arnold
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
julia.arnold@ovgu.de

Workshop 1: Unterrichts- und Lernkultur

Welche Folgen die Digitalisierung in Industrie und Handwerk und besonders für das Curriculum in der Ausbildung haben wird, steht heute auch vor dem Hintergrund regionaler Wirtschaftsstrukturen in Frage. Es scheint so als ginge es in Zukunft mehr darum übergreifende, aber besonders auch persönlichkeitsbezogene Kompetenzen zu entwickeln (Axel Grimm, Flensburg). Wie können die Facharbeiter*innen/Gesell*innen den höheren Anforderungen gerecht werden, im Komplex mit lernenden Maschinen situativ bestimmte Entscheidungen zu treffen und welche Unterstützung kann die Berufswissenschaft hier geben (Ralf Dreher, Siegen)? Was bedeutet das auf der curricularen Ebene bzw. der unterrichtlichen Umsetzung? Welche Lernkulturen sind zu etablieren? Wie kann Unterstützung gegeben werden (Nina Bröcher, Berlin)? Was machen die Individuen mit diesen Anforderungen (Jonas Gebhardt, Flensburg)? In der Diskussion der Entwicklung und der zu erwartenden Konsequenzen wird der erste Schwerpunkt des Workshops liegen.
Noch weiter konkretisiert wird auf die Frage der Zugänge zu veränderten Lern- und Unterrichtskulturen im zweiten Teil des Workshops. Hier wird zunächst ein Vergleich des Unterrichts in Kfz-Mechatroniker- und Büromanagement-Klassen in Deutschland und England gezogen (Erika Gericke, Magdeburg). Im Anschluss wird ein Berurteilungs- und Bewertungskonzept für die Kompetenzentwicklung (KOMET-Kompetenzmodell) anhand von gestaltungsoffenen und komplexen Aufgabenstellungen dargestellt (Markus Gille, Melsungen). Schließlich wird ein unterrichtsbezogenens, studentisches Projekt zur Umgestaltung einer älteren FESTO-Modellfabrik (Eric Sawadogo, Dresden).
Zum Ende des Workshops soll vor dem Hintergund des Workshopprogramms reflektiert werden, welche und inwieweit die Digitalisierung Konsequenzen in der Lern- und Unterrichtskultur zeitigen wird und was das für den Unterricht bedeutet.
Martin Hartmann

Lernkultur 4.0? – Lernen zwischen „Vorratslernen“ und „Lernen on demand“ für eine digitalisierte Arbeitswelt

Vielerlei Neues verspricht die digitalisierte Arbeitswelt 4.0 in Industrie und Handwerk. Flexibilität, Mobilität und Disruptionen unterschiedlicher Ausmaße werden vorausgesagt. Der Beitrag möchte aufbauend auf den empirischen Befunden eines BMBF-geförderten Projektes zur Zukunft der Facharbeit einen Einblick in mögliche Veränderungen des berufsschulischen und betrieblichen Lernens geben. Für das Lernen werden auf Grund der vorausgesagten Dynamik, Konzepte, wie das Lernen im Prozess der Arbeit, an Bedeutung gewinnen, da sie arbeitsplatznah bzw. arbeitsintegriert durchgeführt und über mobile Endgeräte zu jeglicher Zeit distribuiert und abgerufen werden können. Einher gehen Überlegungen, ob eine zukunftsfähige Ausrichtung von beruflicher (Aus-)Bildung weniger auf feste Wissensbestände in Form von abrufbarem kognitivem Wissen und mehr auf eine individuelle Kompetenzentwicklung setzen soll. Dem schnellen technischen Fortschritt könnte ein Learning on Demand, als Kompetenz sich zum benötigten Zeitpunkt methodisch und sachgerecht die erforderlichen Inhalte selbst zu erschließen, anzuwenden und das Arbeitsergebnis zu reflektieren, geschuldet sein. Dies würde eine Abkehr vom traditionellen Lernen auf Vorrat nach sich ziehen und im Sinne der Kompetenzorientierung den humanzentrierten Ansatz einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung, die auf eine nachhaltige Berufsausübung ausgelegt ist, stärken. Durch die Einbindung digitaler Lernformate in betriebliche Kontexte in Form von betriebsspezifischen arbeitsintegrierten Lernformen lassen sich darüber hinaus Effekte auf organisationaler Ebene generieren. Wissensbestände der Organisation können prozesshaft abgebildet und gespeichert werden. Durch die lernenden Mitglieder der Organisation könnte ein organisationales Gedächtnis aufgebaut werden, welches dem Erfahrungsaustausch und der Qualitätsentwicklung dienen kann. Die Potentiale derartiger Lernformen stehen insbesondere bei kleineren und mittleren Unternehmen erst am Anfang einer Implementation und arbeitsintegrierten Durchdringung..
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Prof. Dr. Axel Grimm
Europa Universität Flensburg
axel.grimm@biat.uni-flensburg.de

Ich in 4.0 - Vorstellung einer evaluierten berufsschulischen Unterrichtseinheit zur reflektierten Auseinandersetzung mit der zukünftigen Rolle der Facharbeit im Kontext von Industrie 4.0

Vorstellung einer evaluierten berufsschulischen Unterrichtseinheit zur reflektierten Auseinandersetzung mit der zukünftigen Rolle der Facharbeit im Kontext von Industrie 4.0

Im Umfeld von Industrie 4.0 entstehen derweil konkrete individuelle Umsetzungen mit denen der Mensch im Privaten und der Arbeitswelt verstärkt konfrontiert wird. Die notwendigen Kompetenzen für eine reflektierte Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft werden über die bloße klassiche Fachkompetenz eines Ausbildungsberufs hinausgehen, u.a. bedingt durch die Informatisierung und verschiedene neue Formen von Kommunikation und Arbeit. Im Zuge der Schnelllebigkeit dieser Trends und des politisch gesteigertem Bedürfnisses nach einer Akademisierung der Fachkräfte gilt es, besonders die Ebene der Facharbeit und deren Aus- und Weiterbildung auf den Wandel von Arbeit und Gesellschaft kompetent und multiperspektivisch vorzubereiten. Aus dieser Motivation heraus entstand am Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (kurz: biat) der Europa-Universität Flensburg eine subjektorientierte und praxisnahe Unterrichtseinheit, die das theoretische Konstrukt der Netzkompetenz als Grundlage für die Didaktisierung eines Lehr-Lern-Arrangements zur Sensibilisierung für 4.0-Entwicklungen nimmt. Dieses ließe sich in die kompetenzorientierten gegenwärtigen Curricula der gewerblich-technischen Erstausbildung integrieren. An dieser circa sechstündigen Sensibilisierungmaßnahme nahmen über 100 Teilnehmerinnen an berufsbildenden Schulen in Flensburg und Berlin-Spandau teil. Im Rahmen dieses Vortrags wird ein Einblick in die Gestaltung, Durchführung und die evaluierten Ergebnisse dieser Unterrichtseinheit gegeben. Der Vortrag versteht sich als Impuls für die zukunftorientierte Gestaltung einer ganzheitlicheren Berufsbildungspraxis im Kontext von Industrie 4.0.
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Jonas Gebhardt
Europa-Universität Flensburg - Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat)
jonas.gebhardt@gmx.de

Lernen 4.0 - passt das Konzept der Berufswissenschaft für eine berufliche Bildung als Vorbereitung für eine Arbeit in digitalisierten Wertschöpfungsketten?

Lernen 4.0 – was kann das Konzept der Berufswissenschaft zur Vorbereitung auf die digitalisierte Arbeitswelt leisten?
Nach der maschinellen Steuerung von Handhabungs – und Produktionssystemen wird nunmehr unter den Schlagworten „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ das bestreben erkennbar, Entscheidungsprozesse auf der Makroebene (Entscheidungen über Logistik, Material und Nutzung der Produktionsmittel innerhalb des Produktionsnetzwerks) wie auf der Mikroebene (Kenndatenfestlegung für einen konkreten Produktionsschritt) zu automatisieren.
Das bedeutet, dass das den Arbeitsprozess in seiner Ausführung determinierende Arbeitsprozesswissen als Basis für eine Algorithmierung mit dem Ziel der automatiserten Entscheidungsgenerierung genutzt wird bzw. werden soll. Facharbeit der Zukunft wird damit vor allem durch geprägt sein,
•    (eigenes) Arbeitsprozesswissen reflexiv zu vergegenwärtigen;
•    dieses anhand von Ähnlichkeitsanalysen in seiner Gültigkeit zu verifizieren;
•    den daraus möglichen Grad einer Algorithmenbildung abzuleiten und dabei
•    die Unmöglichkeit der Verallgemeinerung von individuenspezifischem Vorgehen zu erkennen.
Erwerbsarbeit in einer derartig digitalisierten Arbeitswelt fordert also zum einen das Kennen und Anwenden berufswissenschaftlicher Methoden zur Gewinnung von Arbeitsprozesswissen – auch und vor allem auf der Grundlage von Erfahrungen im realen Umgang mit Material, Produktions- und Hilfsmitteln und dem dadurch entwickelten Verständnis von Abläufen. Berufswissenschaft in diesem Kontext dient damit nicht länger der didaktischen Absicherung von beruflichem Lernen, sondern wird zu einem notwendigen Instrument beruflichen Handelns.
Berufliche Bildung mit ihrem weiterhin nicht bestrittenen Ansatz der Ausdifferenzierung von Handlungsregulation über die Förderung von Gestaltungsfähigkeit bedeutet damit
•    zum einen die Fähigkeit zur domänenspezifischen Anwendung berufswissenschaftlicher Methoden zu fördern,
•    zum anderen gleichzeitig das Erkennen um die Grenzen der Algorithmierbarkeit der dadurch gewonnenen Erkenntnisse zu ermöglichen und vor allem jedoch
•    das Verantworten einer derartigen Automatisierung als personaler partizipativer Beitrag zur Gestaltung von Industriegesellschaft zu ermöglichen bzw. einzufordern.
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Univ.-Prof. Dr.phil. Ralph Dreher
Universität Siegen, Lehrgebiet Technikdidaktik am Berufskolleg (TVD)
dreher.tvd@uni-siegen.de

Beruflichkeitsförderung durch fachdidaktische und unterrichtspraktische Methodenkompetenz- Ergebnisse des Projekts Modellfabrik Industrie 4.0

Die Förderung von Beruflichkeit erfordert, dass die Arbeits- und Geschäftsprozessorientierung in den Mittelpunkt von Lernen in beruflichen Bildungsstätten (Berufs-, Fach und Hochschule) gerückt und umfassende berufliche Handlungs- und Gestaltungskompetenz gefördert werden. Das Projekt „Modellfabrik 4.0“ im Rahmen des Modules „Fachbezogenes Projekt“, dessen Ziele die Modernisierung sowie die Digitalisierung einer alten Automatisierungsanlage (Festo modulares Produktionssystems (MPS)) basierend auf einer bestehenden Anlage und unter fachlicher und fachdidaktischer Gesichtspunkte sind, bietet berufliche Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für Facharbeiter/in und Berufsschullehrer/in zur Entwicklung ihrer Beruflichkeit. Um dies zu erreichen werden fachdidaktische und unterrichtspraktische Methoden bei der Lösung fachlicher Aufgabenstellungen angewendet.
Im Vortrag wird gezeigt, wie das Projekt unter Anwendung ausgewählter fachlicher, fachdidaktischer sowie unterrichtspraktischer Methoden gestaltet wird und wie die im Projekt erworbenen Kompetenzen (z. B.: Methodenkompetenzen) sowie neue Kenntnisse und praktische Erfahrungen im Bereich der Digitalisierungs- und Planungsarbeit) auf das berufliche Handeln von Lehramtsstudenten hinsichtlich z. B. der Gestaltung kompetenzorientierter Unterrichts auswirken.
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Dr. Eric J. Wendkouni Sawadogo
Technische Universität Dresden
Eric.Sawadogo@tu-dresden.de

Beurteilen und Bewerten von mündlichen Leistungen und Beobachtungen im Rahmen von individualisierten Lernsettings.

Gestaltungsoffene und komplexe Aufgaben führen in der Regel nicht zu einer einzigen richtigen Lösung. Deshalb muss zu deren Beurteilung und Bewertung mit Kriterien gearbeitet werden. Im Rahmen der von den Lernenden zu erbringenden schriftlichen oder produktorientierten Leistungen liegen hierzu fundierte Ergebnisse wie u.a. die Kriterien des KOMET-Kompetenzmodells vor. Diese Kriterien lassen sich auch ohne Weiteres auf gestufte Lernaufgaben anwenden, sodass individualisierte Lernsettings gut ausgestaltet und bewertet werden können.
Schwieriger erweist sich in diesen individualisierten wie auch in anderen komplexen Lernsettings die Beurteilung der mündlichen Leistungen und Beobachtungen während des Lernprozesses.
Das Team spielt eine besondere Rolle.
Es gibt nicht die pädagogische Freiheit, sondern nur eine didaktische. Dieses Missverständnis ist im Hinblick auf Erziehung und Wertevermittlung von jungen Menschen von zentraler Bedeutung. Für die Lernenden ist es sehr wichtig, dass im Lehrerteam klare Zielvorstellungen von den zu erreichenden thematischen Kontexten und den anzustrebenden Verhaltensweisen vorliegen. Der Versuch auf diese Herausforderungen eine strukturelle Antwort zu finden ist ein mehrdimensionales Beurteilungs- und Bewertungskonzept (BKK), welchen in Zusammenarbeit mit Prof. Peter Heiniger von der Pädagogische Hochschule Thurgau in Kreuzlingen/Schweiz für die Teilzeitberufsschule an der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen erstellt worden ist.
Im Rahmen des Workshops werden der Aufbau und die Intentionen des BKKs kurz vorgestellt. In einer anschließenden Erarbeitungsphase sollen die Teilnehmenden in einem diskursiven Gruppenprozess sich näher mit dem BBK auseinander setzen und die Möglichkeiten des Einsatzes an ihrer eigenen Schule ausloten. Abgeschlossen wird der Workshop mit einer kurzen Ergebnispräsentation.
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StD Markus Gille
Selbstständige Berufliche Radko-Stöckl-Schule Melsungen
markus.gille@radko-stoeckl-schule.de

Neuer Wein in alten Schläuchen. Herausforderungen und Strategien für einen berufsorientierten Berufsschulunterricht für Kfz-Mechatroniker

Forschungsgegenstand und Fragestellung
Im Rahmen des Habilitationsprojektes Berufsbildungskulturen im Vergleich – soziale Praktiken im deutschen und englischen Berufsschulunterricht in Kfz-Mechatroniker- und Büromanagementklassen rückt in diesem Beitrag der Fokus auf den deutschen berufsorientieren Berufsschulunterricht für sich in der dualen Ausbildung befindende Kfz-Mechatroniker, insbesondere mit Blick auf das Lernfeld 6 (Funktionsstörungen an Bordnetz-, Ladestrom- und Startsystemen diagnostizieren und beheben).
Die dem Projekt übergeordneten Fragestellungen sind:
•    Welche sozialen Praktiken konstituieren den Berufsschulunterricht in Kfz-Mechatroniker- und Büromanagementklassen in Deutschland und England?
•    Welche nationalen Bildungstraditionen, Normen und Werte bilden sich (wie) ab?
Für diesen Beitrag, der sich auf die in Sachsen-Anhalt erhobenen Daten gründet, werden folgende Fragen in den Blick genommen:
•    Welche strukturellen Rahmenbedingungen thematisieren die Lehrkräfte bzgl. der Umsetzung eines berufsorientieren Kfz-Mechatroniker-Berufsschulunterrichts?
•    Wie motivieren die Lehrkräfte ihre Schüler für die neuen, als schwierig wahrgenommenen Lerngegenstände?
•    Wie vermitteln die Lehrkräfte diese Lerngegenstände?
Dazu wurden Unterrichtsbeobachtungen sowie Leitfadeninterviews mit Berufsschullehrern (für Kfz-Mechatroniker) und Auszubildenden durchgeführt und analysiert. Die hier präsentierten Ergebnisse basieren sowohl auf die Unterrichtsbeobachtungen als auch die Leitfadeninterviews.
Ergebnisse
Die von den Lehrkräften thematisierten Rahmenbedingungen betreffen neben der technischen Schulausstattung, den Zugang zu Weiterbildungsangeboten und als besonders problematisch das hohe Lehrdeputat.
Um die Schüler für die anspruchsvollen Lernfelder zu motivieren, wenden die Lehrkräfte eine Vielzahl an Motivationsstrategien an. Beispielsweise wird auf das deutsche Berufsprinzip, die hohe Bedeutung von Berufsqualifikation und die mit den neuen Lerninhalten einhergehende Distinktion von älteren Kollegen im Ausbildungsbetrieb rekurriert. Zudem führen die Lehrkräfte verschiedene Begründungen auf, warum und wie sie diese neuen Lernfelder vermitteln. Diese Strategie ist besonders wichtig, da die Arbeitsrealität der Schüler (Kfz-Werkstattrealität) eine andere ist. Des Weiteren werden die ,Früchte des Lernens‘ aufgezeigt, die bspw. einen dreckigen und körperlich schweren Beruf in einen sauberen und leichten Beruf verwandeln.
Auf der didaktischen Ebene zeigt sich, dass die Lehrkräfte ,neuen Wein in alte Schläuche‘ füllen, d.h. das neue Technikwissen mit altbewährten Methoden vermitteln. Die Lehrkräfte verbinden die neuen Lerninhalte mit Bekannten auf dreierlei Art und Weise: a) Übertragung der Elektrotechnik auf die Mechanik, b) Verbindung der neuen Elektrotechnologie mit der Alltagswelt der Jugendlichen (Alltagsgegenstände, -situationen, -erfahrungen, -handeln) und c) Übertragung der Elektronik auf situativ beobachtbarem Schülerverhalten.
Sowohl die Motivationsstrategien als auch das didaktische Handeln tragen zu einem berufsorientieren Berufsschulunterricht für angehende Kfz-Mechatroniker bei.
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Dr. Erika Gericke
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
erika.gericke@ovgu.de

(Gruppen-)Beratung als Instrument der Personal- und Organisationentwicklung

Die Entwicklungen im Zuge von „Industrie 4.0“ gehen einher mit Überlegungen zur curricularen Neu-ausrichtung der Ordnungsmittel in der beruflichen Bildung. Diese betreffen nicht nur die berufliche Ausbildung, sondern auch die Lehrkräfteausbildung, -Fortbildung und -Weiterbildung. Das ohnehin anspruchsvolle pädagogische Aufgabenspektrum der Lehrkräfte (vgl. Kultusministerkonferenz 2014) wird einmal mehr ergänzt. Die Beantwortung der Frage, wie Fach- und Lehrkräfte für die Zukunft qualifiziert werden müssen, ist bislang ungeklärt (vgl. Spöttl 2017, 71). Diese Ungewissheit in Verbin-dung mit einer stetigen Modernisierung der Schule versetzt Lehrkräfte in permanente Anspannung. Der Mangel an ausreichenden Ressourcen wirkt hemmend, den Impulsen kreativ und konstruktiv zu begegnen. Für Diskussionen über das Selbstverständnis, die Perspektiven oder Krisen des Leh-rer*innenberufs bleibt kein Raum. Diese unverarbeiteten Emotionen und offenen Fragen sollten sich nicht unreflektiert in die pädagogische Arbeit „einschleichen“ (vgl. Mietz/Kunigkeit 2013, 304ff.). Mäder (2015, 143ff.) fordert daher, wie viele andere auch, begleitende Beratungsangebote bspw. in Form von Supervision.
Angesichts der beschriebenen Ausgangslage stellen sich die Fragen:
• wie verbreitet Gruppenberatung und andere Beratungsformen in beruflichen Schulen sind,
• wie der Bedarf solcher Beratungsformen für die Professionalisierung und Schulentwicklung von den Schulen selbst wahrgenommen wird und
• inwiefern das den Schulen zur Verfügung stehende Angebot professioneller Beratungsange-bote den schulinternen Bedarfen entspricht.
Ausgehend von den o. g. Fragestellungen soll eine kleine quantitative Studie vorgestellt werden, des-sen Ziel es war, einen ersten Überblick über das Untersuchungsfeld im Land Berlin zu erlangen, zu dem bislang keine empirischen Untersuchungen vorlagen.
Die vorgestellten Ergebnisse sind Teil eines größeren Forschungsvorhabens, welches das weiterfüh-rende Ziel verfolgt, Ansatzpunkte für eine zielgruppenspezifische Konzeption schulischer Beratungs-angebote auszuloten. Dafür sollen die beratungsbezogenen subjektiven Theorien von berufsbilden-den Lehrkräfte mittels qualitativer Interviews erhoben werden.
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Nina Bröcher
TU Berlin
nina.broecher@tu-berlin.de

Workshop 2: Lernen und Lehren in einer vernetzten Welt

Moderation: Uli Neustock

Digitalisierung der Arbeit – Was kommt da auf uns zu und wie gehen wir damit um?

1.    Ausgangslage
Die fortschreitende Digitalisierung, aber auch die Globalisierung, der demografische Wandel und der anhaltende kulturelle und gesellschaftliche Wandel (BMAS 2016) verändern die Arbeitswelt der Facharbeiterberufe der Metall- und Elektrotechnik. Produktionstechnische Arbeitsabläufe erfahren tiefgreifende Umgestaltungen. Die industrielle Fertigung verändert sich inhaltlich und qualitativ im Hinblick auf Anforderungen, Arbeitszuschnitte und Arbeitsbedingungen. Zugleich erfährt das Verhältnis von Menschen und Maschinen einen Wandel. Roboter und Rechner übernehmen Tätigkeiten von Beschäftigten. Die konventionelle Facharbeiterausbildung gerät damit an eine Grenze. Dies betrifft sowohl die curriculare, d.h. inhaltliche, als auch die berufs- und fachdidaktische Seite.
2.    Fragestellung
Welche Tätigkeiten könnten in Zukunft von Rechnern und Robotern übernommen werden und welche Fähigkeiten der Menschen sind voraussichtlich eher nicht ersetzbar? Welche Anforderungen in Bezug auf Flexibilität werden die Unternehmen an künftige Facharbeiter stellen? Was bedeutet dies für die berufliche Bildung in der Metall- und Elektrotechnik?
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Prof. Dr. Tanja Mansfeld
Technische Universität Berlin
tanja.mansfeld@tu-berlin.de

Digitalisierung der beruflichen Aus- und Weiterbildungspraxis im Handwerk

Im Hinblick auf den Fachkräftemangel steht das Handwerk vor besonders großen Herausforderungen. Mehr denn je kommt es darauf an, dass alle Menschen, die sich für eine Berufsausbildung im Handwerk entscheiden, entsprechend ihren Potentialen individuell gefördert werden. So kann ein Beitrag dazu geleistet werden, dass ausreichend viele Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Die Hoffnung, dass konventionelle E-Learning-Szenarien einen nennenswerten Beitrag zur individuellen Förderung liefern würden, hat sich mit Blick auf die formalen Aus- und Weiterbildungssysteme nicht erfüllt. Nach den eher ernüchternden Befunden zur Bedeutung von konventionellen E-Learning-Angebote in der handwerklichen Aus- und Weiterbildung könnte die Digitalisierung praktisch aller Lebensbereiche neue Impulse setzen. Dies auch, weil hier barrierefreie offene Lernressourcen, etwa aus dem Social Web, mit innovativen Augmented- und Virtual-Reality-Technologien verknüpft werden können. Die entstehenden Settings bieten damit die Möglichkeit strukturelle Veränderungen herbeizuführen.
Der Beitrag wird in diesem Kontext das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt ""Inklusion in der beruflichen Bildung am konkreten Fall des Kfz-Mechatronikers mittels Virtual Reality Technologie"" (InKraFT) vorstellen.
Das Projekt verfolgt das Ziel ein bildungstheoretisch fundiertes und inklusionsorientiertes didaktisches Konzept für die Aus- und Weiterbildung im gewerblichen Kfz-Handwerk zu entwickeln und zu testen. Die Umsetzung des Konzeptes erfolgt dabei mit Hilfe einer adaptiven Lernumgebung, die durch kognitive Assistenzsysteme unterstützt wird. Als wesentliche Bausteine sind die Entwicklung von inklusiven Lernszenarien mit Zertifizierungscharakter und die Einbindung von AR und VR-Streaming Technologie für Virtual Remote Maintenance & Inspection zu nennen.
Als Partner ist das Unterrichtsprojekt kfz4me.de des Fachbereichs Kfz-Technik vom Hönne Berufskolleg in Menden in das Vorhaben integriert. Das Projekt kfz4me.de setzt einen designbasierten Unterrichtsansatz um, der im Ergebnis eine Vielzahl an digitalen Lernbausteinen liefert und über YouTube zur Verfügung stellt (vgl.www.kfz4me.de). Im Rahmen des F&E Vorhabens InKraft sollen diese Lernbausteine die realen Lernwelten der Auszubildenden über die AR- und VRTechnologie erweitern.
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Dr. Markus Schäfer
Hönne-Berufskolleg des Märkischen Kreises in Menden
markus.schaefer@kfz4me.de

Projektorientiertes Lernen mit Scrum im beruflichen Unterricht nicht nur in Informationstechnik

Der Vortrag soll einen Überblick über die Potentiale von Scrum im beruflichen Unterricht geben. Scrum ist ein Vorgehensmodell, das aus der Softwareentwicklung stammt und dort den agilen Methoden zugerechnet wird. Es handelt sich also um eine besondere Art des Projektmanagements, die auf wenigen Regeln, Rollen und Artefakten basiert und sich durch Transparenz, eine wiederholende Überprüfung der Funktionalität und eine Anpassung der Funktionen im Projektfortschritt auszeichnet.
Agile Methoden wie Scrum können auch unterrichtlich in projektartigen Settings nicht nur im IT-Unterricht, sondern auch in anderen Entwicklungsprozessen beispielsweise der Metall- oder Elektrotechnik sehr gut genutzt werden.
Basierend auf Beispielen und Interviews mit Lehrenden wird exemplarisch die Umsetzung von Scrum dargestellt und ein Ausblick auf weitere Anwendungsmöglichkeiten für schulisches Lernen gegeben. Scrum kann dabei sowohl als Methode als auch als fachlicher Inhalt betrachtet werden, da davon auszugehen ist, dass projektförmige Arbeitsmethoden und die Arbeit in heterogenen Teams durch die fortschreitende Digitalisierung für Facharbeiter aller Fachrichtungen weiter an Bedeutung gewinnen werden.
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Nicolai Heinrich
Europa-Universität Flensburg - biat
nicolai.heinrich@uni-flensburg.de

Identifizierung beruflicher Handlungsfelder zur Verbesserung von IT-Weiterbildungsangeboten an Fachschulen. Daten der Berufsforschung als Basis zur Curriculumentwicklung?

Im Rahmen des fortwährenden, wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Wandels besteht die Daueraufgabe, berufliche Bildungsangebote hinsichtlich veränderter Anforderungen weiter zu entwickeln. Dazu besteht für die Akteure von Lehrplankommissionen die Aufgabe, berufliche Handlungsfelder im Rahmen von Geschäfts- und Arbeitsprozessen zu identifizieren, sie didaktisch zu bewerten und curricular aufzubereiten u.a. (vgl. KMK 2017a, S. 30, 2017b, S. 6). Wie diese Informationen über berufliche Inhalte fundiert zu ermitteln sind, ist allerdings nicht klar. Derzeitige wissenschaftliche Beiträge der Qualifikationsforschung finden meist anlassbezogen unter einem hohen empirischen Aufwand statt. Analysen der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung finden dabei kaum Beachtung im Rahmen beruflicher Curriculumentwicklungsprozesse (vgl. Petersen 2014, S. 92). Es ist derzeit noch weitgehend ungeklärt, wie die Ergebnisse der Berufsforschung aus Berufsbildungssicht zu bewerten sind und welchen Beitrag sie im Rahmen der Curriculumentwicklung leisten können.
An dieser Stelle setzt dieses Forschungsvorhaben an. Es wird geleitet von der übergeordneten Fragestellung, wie Inhalte und Anforderungen beruflicher Arbeit identifiziert werden können, um die Curriculumentwicklung beruflicher Bildungsangebote zu unterstützen. Exemplarisch wird die Analyse vor dem Hintergrund der Entwicklung schulischer IT-Weiterbildungsangebote an Fachschulen betrachtet.
Das Ziel einer ersten Analyse besteht darin, Informationen über die Struktur, Inhalte und Aktualität der Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen, Klassifikationen und Statistiken der Bundesagentur für Arbeit/IAB darzustellen und zu bewerten. Der methodische Zugang erfolgt über die qualitative und quantitative Auswertung dieser Daten. Diese Ergebnisse beeinflussen den methodischen Zugang weiterer Untersuchungen mit dem Ziel, berufliche Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Gruppe „Informatik und IKT-Berufe“ darzustellen.
Literaturverzeichnis
KMK (2017a): Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK). Berlin.
KMK (Hrsg.) (2017b): Rahmenvereinbarung über Fachschulen. (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.11.2002 i.d.F. vom 19.05.2017). Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK).
Petersen, A. Willi (2014): Struktur- und Profilwandel der Elektro- und IT-Ausbildungsberufe als systemischer Gegenstand der Berufs- und Berufsbildungsforschung. In: Eckart Severing und Reinhold Weiß (Hrsg.): Weiterentwicklung von Berufen. Herausforderungen für die Berufsbildungsforschung. 1. Aufl. s.l: W. Bertelsmann Verlag (Berichte zur beruflichen Bildung), S. 79–97.
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Maik Jepsen
Europa-Universität Flensburg
maik.jepsen@biat.uni-flensburg.de

Berufsbildungspersonal zwischen Digitalisierung und Didaktik

Aufgrund technologischer Produkt- und Prozessinnovationen, u. a. bedingt durch die Digitali-sierung, steht die Arbeits- und Berufswelt vor großen Herausforderungen. Für die „Konsoli-dierung der nationalen Wirtschaftskraft ist es notwendig, jetzt und zukünftig Potenziale für qualifizierte Facharbeit zu sichern“ (BIBB 2016). Mit steigenden Qualifikationsanforderungen an die Facharbeit, gerade in Bezug auf die Digitalisierung bzw. Industrie 4.0, gewinnt die Aus- und Weiterbildung mehr an bildungs- und gesellschaftspolitischer Bedeutung (vgl. Baethge, Severing, Weiß 2013) und damit auch die Qualifizierung des Bildungspersonals.
Die Aufgaben der Aus- und Weiterbilder gestalten sich immer vielfältiger und damit einher-gehend verändert sich auch das benötigte Kompetenzprofil. Im Rahmen verschiedener Pro-jekte der Universität Siegen wird der Frage nachgegangen, welche (didaktischen) Heraus-forderungen sich für Aus- und Weiterbilder u. a. durch die Digitalisierung in der gewerblich-technischen Domäne abzeichnen. Ziel ist es, basierend auf einer fundierten Bedarfsanalyse Kompetenzprofile zu eruieren und Professionalisierungskonzepte, die den Prozess der ge-sellschaftlichen und technologischen Entwicklung reflektieren, zu entwickeln.
Erste Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen, dass die Herausforderungen weniger in der Implementierung und Handhabung der (digitalen) Technologien liegen. Desiderate werden von den Protagonisten eher in den Bereichen der Didaktik, des Bildungsmanagements und der Pädagogischen Psychologie gesehen.    
Im Laufe der Projekte ist zu klären, ob bzw. inwieweit die Anforderungen aus Industrie und Handwerk divergieren und wie etwaige Unterschiede in dem resultierenden Qualifikationsan-gebot berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus wird zu untersuchen sein, ob sich branchenübergreifende Themen herauskristallisieren oder ob die unterschiedlichen Branchen bzw. Zweige spezifische (Weiter-)Bildungsmaßnahmen benötigen.
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J.Prof. Dr. Tamara Riehle
TVD Universität Siegen
riehle.tvd@uni-siegen.de

Entmystifizierung des Internets der Dinge - Fächerverbindender Unterricht der Höheren Berufsfachschule IT-Systeme

Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16-19 Jahren kann in der Regel eine positive Haltung gegenüber der elektronischen Vernetzung von Geräten des Alltags zugeschrieben werden (Initiative D21 e. V., 2016). Die Lernenden der höheren Berufsfachschule IT-Systeme, welche überwiegend zu dieser Gruppe gehören, verwenden ihre smarten Geräte intuitiv, allerdings auch unreflektiert hinsichtlich Informationsfluss und deren zugrundeliegenden Funktionsweisen (Feierabend, Karg & Rathgeb, 2016). Um eine digitale Kompetenz auszubilden, bedarf es schulformunabhängig eines lebensweltnahen und anwendungsorientierten Informatikunterrichts. Dieser muss das Ziel verfolgen, die komplexen und als Blackbox betrachteten Systeme der digitalen Lebens- und Arbeitswelt zu entmystifizieren. Dies kann gelingen, wenn durch die Gestaltung eigener vernetzter Systeme deren Komponenten und Verbindungen transparent und beherrschbar werden.
In dem hier vorgestellten Lernszenario werden die Fächer Biologie (Klasse des Beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Technik) und Informatik (Klasse der Höheren Berufsfachschule IT-Systeme mit dem Schwerpunkt Systemintegration) Klassenübergreifend verbunden. Die Problemstellung umfasst die Konstruktion eines Terrariums, welches sich klimatisch an das natürliche Habitat von Bartagamen anpassen kann. Dieses Szenario soll Lernende anregen das Terrarium selbstständig durch eigene Ideen weiterzuentwickeln.
  Hard- und Software Konfiguration
Unterrichtshilfen für die technische Informatik (Lego-Roboter etc.) sind in der Regel kostenintensiv und nicht speziell für das Thema Internet der Dinge konzipiert. Daher wurde aufbauend auf der Vorerfahrung der Klasse mit dem Einplatinenrechnern Raspberry Pi1 die in Abbildung 1 gezeigte Konfiguration aufgebaut.
Als Knoten wurden NodeMCU2 genutzt, welche über USB programmiert werden. Unterstützt werden unter anderem One-Wire, I2C, Pulsweitenmodulation, Analog/Digital-Wandung sowie der DeepSleep-Modus, mit einer Stromaufnahme von unter 10μA, was einen Batteriebetrieb ermöglicht.
Die Java-basierte Serversoftware Blynk3 dient dem Fernsteuern von Geräten sowie dem Auslesen, Speichern und Visualisieren von Sensordaten und bietet eine Bibliothek zur Programmierung der SoCs sowie eine App für Smartphones. So müssen Lernende die Client-Server-Kommunikation nicht selbst implementieren und können sich auf die eigentliche Problemstellung des jeweiligen Lernszenarios fokussieren.
  Erste Erprobungen und Ausblick
Nach mehreren Experimenten der Lernenden, angefangen von einer Wetterstation über eine Alarmanlage bis hin zur Beleuchtungssteuerung, berichteten diese, dass das System ihnen die Zusammenhänge zwischen einzelnen Teilgebieten verdeutlicht hätte. Sie hätten bereits erworbene Kompetenzen, u.a. aus dem Digitaltechnik- und Softwareentwicklungsunterricht, anwenden und vertiefen können. Besonders die Interaktion mit der Hardware war für die Lernenden erkenntnisreich und motivierte Sie dazu Projekte in ihrer Freizeit, voranzutreiben und zu erweitern. Neben dem Projekt „Ein neues Zuhause für Berthold (die Bartagame)“ planen Lernende bereits weitere eigene kleine Projekte, die sie im Rahmen ihres Abschlussprojekts umsetzen möchten.
Für zukünftige Erweiterungen ist es notwendig, Lernszenarien zum Thema REST-API zu entwickeln, durch deren Nutzung sich andere, meist proprietäre, Geräte ansprechen lassen (Integration von Sprachsteuerungen und Heimkinoanlagen). Somit würde es möglich, die vollständige Vernetzung des Alltags und ihrer Lebenswelt selbst zu gestalten.
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Dr. Steffen Jaschke
Universität Siegen
steffen.jaschke@uni-siegen.de

Wissensmanagement und Kommunikationsprozesse im Kfz-Service – Bedeutung und Perspektiven für die Facharbeit in Kfz-Werkstätten

Gegenstand des Vortrags ist die Bedeutung von Wissensmanagement und Kommunikationsprozessen für das Arbeiten und Lernen von Fachkräften in freien und herstellergebundenen Kfz-Werkstätten. Die Betrachtung erfolgt aus einer technik- und einer humanorientierten Perspektive und zeigt die Probleme bei der Informations- und Wissensversorgung für eine erfolgreiche Kfz-Facharbeit auf, die unmittelbar auch eine wirtschaftliche Relevanz für die Kfz-Werkstätten haben. Die derzeit 37.740 Kfz-Werkstätten(1) in Deutschland stellen die Schnittstelle der Automobilindustrie zu den Kunden dar und sind insbesondere in herstellergebundenen Autohäusern der Betriebsteil, der über die Arbeitsleistung maßgeblich für die Kundenbindung verantwortlich ist. Dem Kfz-Service kommt zudem eine hohe wirtschaftliche Bedeutung zu, da auf ihn knapp ein Fünftel (2016: 32 Mrd.1) des Umsatzes im Kraftfahrzeuggewerbe entfällt. Besonders in freien Werkstätten besteht für eine zukunftsfähige Facharbeit ein Bedarf an einer ausreichenden Versorgung mit qualitativ hochwertigen Informationen und Wissen sowie an arbeitsprozessgerechten Möglichkeiten für ein Wissensmanagement.
Zum Inhalt des Vortrags:
Im ersten Teil werden ausgewählte Aspekte zur Interdependenz von Wissen, Kommunikation und Facharbeit im Kfz-Service dargestellt. In diesem Kontext werden Theorien und Methoden des Wissensmanagements auf ihre Anschlussfähigkeit überprüft und ihre Relevanz für berufliche und betriebliche Lernprozesse diskutiert. Im folgenden Teil zeigen empirische Ergebnisse einer Onlinebefragung von Kfz-Fachkräften (n = 626, bundesweit) und aus zwölf Fallstudien in freien und herstellergebundenen Kfz-Werkstätten auf, dass - einem wachsenden Informations- und Wissensbedarf derzeit eine einseitige Abhängigkeit von Informationsangeboten spezialisierter Anbieter oder der Fahrzeughersteller gegenübersteht,
- eine Kollaboration zwischen Kfz-Fachkräften sowie ein Austausch und eine Sicherung bestehenden Erfahrungswissens nur vereinzelt in informeller Form stattfinden,
- Lernen und Arbeiten überwiegend als dichotome Sphären aufgefasst werden.
Damit wird zum einen das Potential des in Kfz-Werkstätten verfügbaren Wissens ignoriert und zum anderen ein Lernen durch Kommunikation und Reflexion im Arbeitsprozess verhindert. Im dritten Teil werden die identifizierten Ansätze aus den Werkstätten reflektiert und zu einem Modell verdichtet sowie Perspektiven für die Implementierung eines Wissensmanagements zur Unterstützung der Facharbeit und des Lernens in Kfz-Werkstätten aufgezeigt.
Die Schlussfolgerungen des Vortrags:
Die Ergebnisse zeigen zunehmende Probleme bei der Informations- und Wissensversorgung in Kfz- Werkstätten auf, von denen insbesondere die freien Werkstätten betroffen sind. Dennoch werden im Kfz-Service – ähnlich wie in anderen handwerklich organisierten Branchen – die Notwendigkeit und die Potentiale eines Wissensmanagements nur vereinzelt erkannt und dementsprechend nicht angemessen berücksichtigt. Besonders die eingeschränkte Weitergabe und ausbleibende Nutzung des Erfahrungswissens der Kfz-Fachkräfte stellt eine große Einschränkung dar. Eine reine Informationsdistribution, wie sie derzeit im Kfz-Service üblich ist, kann die stetig wachsende Menge an Informationen und notwendigem Wissen aufgrund von Entwicklungen in der Fahrzeugtechnik nicht mehr in ausreichender Qualität und arbeitsprozessgerecht zur Verfügung stellen. Stattdessen ist ein optimierter Umgang mit den Wissensressourcen des Personals in den Kfz-Werkstätten für eine zukunftsfähige Diagnose und Reparatur von Kraftfahrzeugen sowie die Anschlussfähigkeit der Betriebe an die technologische Entwicklung notwendig. Dabei sollten technische Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (zum Beispiel das bereits in Grundzügen eingesetzte Case-Based-Reasoning) mit etablierten Verfahren des humanorientierten Wissensmanagements verknüpft werden, um insbesondere das wertvolle Erfahrungswissen der Kfz-Fachkräfte zu explizieren und zu kommunizieren.
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Torben Karges
Europa-Universität Flensburg, Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik - biat
torben.karges@biat.uni-flensburg.de

Workshop 3: Digitalisierung in den Inhalten von Ausbildung und Unterricht

Der Workshop betrachtet Folgen der Digitalisierung in und für Ausbildung und Unterricht aus ver-schiedenen Blickrichtungen. In den Impulsreferaten und den anschließenden Diskussionen werden die Digitalisierung von Arbeitsprozessen und das berufliche Lernen mit digitalen Hilfsmitteln und Werkzeugen gleichermaßen berührt. Ein erster Zugang wird geschaffen durch eine fächer- und branchenübergreifende, bilanzierende Beschreibung des derzeitigen Umgangs mit Anforderungen und Chancen, die die zunehmende Digitalisierung für berufsbildende Schulen mit sich bringt. Die Darstellungen beziehen sich auf ein Bundesland, das sich in der Diskussion als tendenziell stellvertretend oder als wegweisend für andere erweisen kann.
Die weiteren Impulsvorträge greifen Einzelaspekte und konkrete Umsetzungsbeispiele auf. Sie befassen sich mit der Nutzung von Online-Plattformen in der transnationalen Berufsbildungszusammenarbeit, mit der Förderung der Medienkompetenz von Lehrkräften durch Erstellung und Nutzung von Web-Apps, mit der Entwicklung und dem Einsatz von komplexen automatisierten Anlagen im Unterricht, aber auch exemplarisch mit berufsspezifischen Folgen von Digitalisierungstendenzen. Die Beiträge schildern Erfahrungen, förderliche und hinderliche Rahmenbedingungen der Umsetzung im berufsschulischen Unterricht und in der Lehrkräftebildung und geben dadurch Anregungen für Transfer und Weiterentwicklung. Ob und wieweit sich die Darstellungen mit den Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops decken oder ob es aus der Praxis andere Erfahrungen und/oder weitere Ansätze und Vorschläge gibt, werden die Diskussionen zeigen.
Bernd Mahrin

Berufsschulen in Baden-Württemberg auf den Weg zur Berufsbildung 4.0 –  eine Zwischenbilanz

  Gegenstand des Beitrages
Um die beruflich qualifizierten Fachkräfte auf die zukünftigen Anforderungen von Industrie 4.0 vorzubereiten, förderte das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft in Baden-Württemberg die Einrichtung von 15 „Lernfabriken 4.0“ an Beruflichen Schulen im Land mit insgesamt 6,5 Mio. Euro. Zielgruppen der „Lernfabriken 4.0“ sind einerseits Auszubildende in dualen Ausbildungsgängen der Fachbereiche Metall- und Elektrotechnik sowie Fachschülerinnen und -schüler der Technikerschulen Windelband/Faßhauer 2017). Andererseits sind sie über ausdrücklich eingeforderte Kooperationen mit betrieblichen und anderen außerschulischen Partnern zur Entwicklung von regionalen klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) ausgelegt. Die „Lernfabrik 4.0“ soll die Möglichkeit einer realitätsnahen bzw. didaktisch-reduzierten Abbildung von Fertigungsprozessen in einer Lernumgebung geben. Jedoch soll die komplexe Arbeitswelt genauso abbildbar sein. Die Lernfabrik wird dabei als ein Labor gesehen, das im Aufbau und in der Ausstattung industriellen Automatisierungslösungen gleicht und eine praxisnahe Vorbereitung auf die komplexen, vernetzten Produktionsprozesse liefern soll. In den Lernfabriken werden ganz konkrete Werkstücke hergestellt, die vom ersten Entwurf bis zur Fertigung im gesamten Wertschöpfungsprozess bearbeitet werden.
  Fragestellung
Der Beitrag soll als Zwischenbilanz beleuchten, wie der aktuelle Stand der Umsetzung der Berufsschulen in Baden-Württemberg auf den Weg zur Berufsbildung 4.0 ist. Werden die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung, etwa eine stärkere Prozessorientierung (vgl. Zinke et al. 2017) oder ein kompetenter Umgang mit der Vernetzung der Geschäfts- und Arbeitsprozesse (vgl. bayme vbm 2016), die in Studien der Berufsbildungsforschung identifiziert wurden, eingelöst? Wie wird die Lernfabrik ganz konkret im Unterricht eingesetzt? Wie werden die Lehrkräfte auf die neuen Anforderungen in der Weiterbildung in Baden-Württemberg vorbereitet?
  Ergebnisse
Ausgehend aus den Ergebnisse der bayme vbm-Studie werden die aktuellen Entwicklungen in Baden-Württemberg bewertet und Interviews mit Verantwortlichen der Lehrerweiterbildung in Baden-Württemberg ausgewertet. Gleichzeitig werden aktuelle Überlegungen aus dem Projekt „Didaktik 4.0 – SmartFactory“ (Förderung durch Landesmittel) der PH Schwäbisch Gmünd mit jeweils drei Berufsschulen und Partnerunternehmen zur konkreten Unterrichtsgestaltung eingebracht. Insgesamt soll die Zwischenbilanz Wege aufzeigen, um die Herausforderungen einer digitalen Arbeitswelt langfristig zu meistern.
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Prof. Dr. Lars Windelband
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd
lars.windelband@ph-gmuend.de

Praxisorientierte Kompetenzentwicklung in der Produktionstechnik durch Kooperation

Dieses Abstract gibt Auskunft über das vom EFRE geförderte und seit März 2017 laufende sächsisch-tschechische Kooperationsprojekt „POKROK.digital“ mit dem Fokus auf Zielgruppen zerspanungstechnischer Auszubildender in beiden Ländern.
Ausgangslage und Problemstellung
Auszubildende beider Länder bringen heute zu wenig praktisches Wissen und Können mit in die Ausbildung. Sie können zudem aufgrund zu hoher Ausfall- und Reparaturkosten bei Fehlbedienungen kaum Erfahrungen an den Produktionsmaschinen der Unternehmen machen. Die in der Tschechischen Republik typische allein schulische Berufsausbildung begrenzt den Aufbau berufspraktischer Kompetenzen obendrein. Auf beiden Seiten fehlt es somit an praktischen Kenntnissen und Fähigkeiten ohnehin knapper Fachkräfte. Dies wirkte sich in den Unternehmen der Regionen beider Länder bisher ausgesprochen negativ aus, zumal bei der Schlüsselrolle der dortigen metallverarbeitenden Industrie. Künftige Fachkräfte beider Länder sollten in der Lage sein, Zerspanungsprozesse - sowohl im Detail an einzelnen Maschinen, als auch komplette Durchläufe für mehrere Maschinen - planen und durchführen zu können.
Lösungsansatz
Die Auszubildenden sollen zum einen an realen Arbeitsaufgaben lernen, wie sie in den Unternehmen tatsächlich vorliegen. Zum zweiten werden Lehr- und Lernarrangements unter Nutzung einer webbasierten digitalen Lernplattform beabsichtigt, die einerseits ein reichhaltiges Angebot an Lernmedien bietet und womit andererseits vielfältige Erfahrungen gemacht werden sollen.
Geplantes Vorgehen und Methodeneinsatz
Zu Beginn werden die Ordnungsmittel der Auszubildenden mit dem Schwerpunkt zerspanungstechnische Tätigkeitsdomänen gezielt nach relevanten Kompetenzen der Planung und Steuerung von Fertigungsaufträgen untersucht. In Defizitanalysen wird erhoben, welche Mängel in der Kompetenzentwicklung erkennbar sind: einerseits bei Jungfacharbeitenden in Unternehmen und andererseits bei Lernenden in berufsbildenden Schulen. Zum dritten schließlich werden Arbeitsprozessstudien in Unternehmen und Einrichtungen auf beiden Seiten des Grenzgebietes durchgeführt, um die betrieblich-berufliche Praxis der Facharbeit in all ihren Facetten zu erheben. 
Dieser Phase empirischer Studien schließen sich dann Konzeptualisierungsüberlegungen an, wofür Fragestellungen handlungsleitend sind, wie: Wie kann die Integration betrieblicher Praxis in eine digitale Lernplattform gelingen? Wie können geeignete Lehr- und Lernarrangements zur Ausbildung relevanter Kompetenzen zur Planung und Steuerung von Fertigungsaufträgen überhaupt aussehen? Welche Lern- und Arbeitsaufgaben, insbesondere welche Aufgabenstellungen, sind für die Nutzung überhaupt geeignet? Wird eine derartige Plattform von Lehrenden und Lernenden akzeptiert, angenommen und als bereichernd empfunden? Es wird deutlich, dass nach der Konzeptionierungsphase auch eine Erprobung inklusive Evaluation stattfinden wird.
Die digitale Lernplattform wird schließlich an zentraler Stelle hinterlegt, um einen uneingeschränkten Zugang zu den Projektergebnissen zu gewährleisten. Die „open-source“- Konzeptionierung der Projektergebnisse ermöglicht deren künftige Weiterentwicklung und ihren Ausbau.
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Dipl.-Berufspädagoge Dirk Wohlrabe
Technische Universität Dresden
dirk.wohlrabe@tu-dresden.de

Web Apps im berufsfachlichen Unterricht - Entwicklung der Medienkompetenz angehender Lehrer/innen im Lehr-Lern-Labor

Web Apps im berufsfachlichen Unterricht - Entwicklung der Medienkompetenz angehender Lehrer/innen im Lehr-Lern-Labor
Digitale Medien im berufsfachlichen Unterricht sind eine Herausforderung nicht nur für die Infrastruktur von Berufsschulen und Oberstufenzentren, sondern vor allem für die Planung und Steuerung von Unterricht und damit für die Professionalisierung von Lehrkräften in der universitären Ausbildungsphase. Vor diesem Hintergrund soll ein Einblick in ein aktuelles fachdidaktisches Forschungsprojekt im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung an der TU Berlin im Fachgebiet der Beruflichen Fachdidaktik erfolgen. Im Zentrum steht das Lehr-Lern-Labor Elektrotechnik, curricular eingebettet in ein gemeinsames Projekt von Fachdidaktik und Fachwissenschaft, das sich im Sinne des Forschenden Lernens mit der Implementation digitaler Medien sowie fachdidaktischer Entwicklungsaufgaben beschäftigt.
Im Fokus ist die Entwicklung der Medienkompetenz der Studierenden durch Entwicklung und Auseinandersetzung mit digitalen Medien und computergestützten Lehr-Lern-Arrangements. Hierbei besteht ein großer Bedarf in der Lehrkräftebildung. Die Studierenden setzen sich in diesem Modul mit verschiedenen Web Apps auseinander. Web Apps sind auf Basis von CSS, Javascript oder HTML5 entwickelte Anwendungen. Sie müssen nicht auf Endgeräten installiert werden. Die Bereitstellung, Verarbeitung und Auswertung der Daten erfolgt auf einem Webserver. Für die Nutzung wird ausschließlich ein Internetbrowser benötigt. Es kamen bspw. Web Apps zur Simulation elektrischer Schaltungen, Web Apps zum Entwurf elektrischer Schaltungen, Web Apps zum kollaborativen Arbeiten und Web Apps für klassische Büroaufgaben zum Einsatz. Die verwendeten Web Apps waren kostenfrei und standen teilweise auch unter einer Open Source-Lizenz. Die Studierenden sollen einschätzen, welche Einsatzmöglichkeiten im Unterricht sinnvoll sind und welche Potentiale und Grenzen es geben kann.
Aus den bisherigen Vorüberlegungen und dem aktuellen Forschungsstand stellen sich folgende Forschungsfragen:
 Können Lehr-Lern-Labore Lehramtsstudierende dazu befähigen, digitale Medien hinsichtlich ihrer didaktischen Eignung, Potentialen und Grenzen zu beurteilen?
 Können Lehr-Lern-Labore Lehramtsstudierende dazu befähigen, computergestützter Lehr- Lern-Arrangements zu entwerfen und zielgerichtet einzusetzen?
Ziele: Erwerb von Medienkompetenz durch Einführung neuer Studienformate und Reflexion von Unterrichtskonzepten.
Die Studierenden sollen auf der Ebene der Sachanalyse an das Themenfeld bspw. Simulation elektrischer Schaltungen herangeführt, zudem mit fachdidaktischen Standards der Unterrichtsplanung und -durchführungen konfrontiert werden. Eine Schulkooperation garantiert die Durchführung des geplanten Unterrichts am Ende des Semesters und dessen Evaluation.
Forschungsdesign: Als Datengrundlage zur Beantwortung der Forschungsfragen dienen die Planungsdokumente, Interviews mit Studierenden zu Beginn des Semesters bzw. schriftliche Reflexionen der Studierenden am Ende des Semesters. Diese werden mit ATLAS.ti 8.0 mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet.
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Christian Stoll
TU-Berlin
christian.stoll@tu-berlin.de

I 4.0 - Unterrichtsumsetzung an einer von Schülern selbstgebauten Abfüllanlage

Die vierte industrielle Revolution beinhaltet unterschiedlichste Themen und Technologien, die wir verstehen und anwenden lernen müssen. Dazu ist an der BBS 2 Wolfsburg mit Studierenden eine Industrie-4.0-Abfüllanlage entwickelt worden, die verschiedene Technologien sehr anschaulich zur Anwendung bringt. Wichtig war bei der Realisierung, dass die eingesetzten Technologien auch auf industrielle Anlagen und Prozesse übertragen werden können.
Weiterhin soll der Lernträger die Lernenden begeistern und dort abholen können, dass ein verständlicher Einstieg in komplexe Technologien durchführbar ist. Dies bedingt die Erstellung von Lernmitteln, die auch auf den von Jugendlichen genutzten Geräten wie Smartphone und Tablet ermöglicht.
Die Anlage fokussiert sich dabei nicht nur auf Technologien sondern setzt sich auch mit einem ganzheitlichen Produktionsprozess von der Arbeitsplanung, Qualitätssicherung bis zur Kundenintegration auseinander.
Wie ein solches, kompaktes Konzept aussehen kann, zeigt die realisierte Industrie-4.0-Anlage und der Vortrag.
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Stefan Manemann
BBS 2 Wolfsburg und Festo Didactic SE
jessica.baumer@festo.com

Digitalisierung im (traditionellen) Handwerk der Augenoptik

Digitalisierung im (traditionellen) Handwerk der Augenoptik
Die Augenoptik ist traditionell im Handwerk verortet. Unter dem Einfluss technologischer Innovation und im Diskurs einer Neupositionierung befindet sie sich auf dem Weg in eine veränderte Arbeitsumwelt. Der Beruf des/der Augenoptiker*in verändert sich aufgrund der Digitalisierung in den Tätigkeitsbereichen von Verkauf und Beratung, der Fertigung und der optometrischen Dienstleistung. Es vollzieht sich eine Neuorientierung vom traditionell handwerklichen Berufsbild zur optometrisch ausgerichteten Dienstleistung einschließlich neuer Handlungsfelder und spezifischer Qualifikationen.
Aus den bisherigen Vorüberlegungen, einer Sekundäranalyse und dem aktuellen Forschungsstand stellen sich folgende Forschungsfragen:
 Welche Veränderungen ergeben sich aktuell für die handwerkliche Facharbeit der Augenoptiker*innen?
 Welche zukunftsorientierten Aufgabenfelder sind für die Augenoptiker*innen zu erwarten?
 Wie verändern sich langfristig die Qualifikationsanforderungen?
 Welche Auswirkungen hat der Wandel der Facharbeit bezüglich der Organisation und Struktur der Berufsausbildung?
Ziel der Forschung ist es, die Dynamik handwerklicher Tätigkeitsbereiche und optometrischer Dienstleistung für die Ausbildung von Augenoptiker*innen aufzuzeigen und vor diesem Hintergrund die prospektive Gestaltung eines Ausbildungsberufsbildes zu ermöglichen.
Um die Forschungsfragen beantworten zu können, sind Methoden nötig, die den Wandel der (Fach)Arbeit – aktuelle Situation und Zukunftsentwicklung – sowie die Details des Untersuchungsgegenstandes erschließen. Mithilfe berufswissenschaftlicher Forschungsinstrumente nach Becker/ Spöttl (2015) werden die Handlungsfelder der Facharbeit, die Arbeitsorganisation und „neue“ Tätigkeitsfelder auf der Grundlage von Branchenerhebungen, Expertenworkshops unter Anwendung des Roadmap-Verfahrens sowie Beobachtungen der Geschäfts- und Arbeitsprozesse erhoben. Das Sample umfasst zehn Fallstudien. Die Protokolle der Beobachtungen und der Fachinterviews aus den Fallstudien liegen vor und werden aktuell mit ATLAS.ti 8.0 mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet.
Im abschließenden Expert*innen-Workshop wurde basierend auf herausgearbeiteten Qualifikations- und Entwicklungsbedarfen die zukünftige Strukturierung und Organisation der Berufsausbildung in drei Szenarien diskutiert.
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Carolin Lohse
Technische Universität Berlin
c.lohse@tu-berlin.de

Online-Prüfung im Kfz-Handwerk

Die Berufliche Schule Fahrzeugtechnik und die Innung des Kfz-Handwerks in Hamburg sind im Prüfungswesen der Kfz-Branche bundesweit Vorreiter für Onlineprüfungen.
Zweimal im Jahr werden die angehenden Kfz-Mechatroniker/-innen am Elbcampus in Hamburg-Harburg direkt am PC auf ihre Kenntnisse in den beiden Teilen der theoretischen Gesellenprüfung  online geprüft. Die Aufgaben werden einem stetig wachsenden Pool entnommen, der an der Berufsschule editiert und gepflegt wird.
Hamburg hat diese Prüfungsform als einziger Landesverband dauerhaft installiert und führt sie mit Erfolg und hoher Prozesssicherheit durch.
Bis zu 300 Auszubildende bearbeiten drei bzw. fünf  handlungsorientierte Prüfungsaufgaben mit Hilfe des ebenfalls rechnergestützten Esi[tronic)-Werkstattinformationssystems. Die Schüler verwenden dieses Tool, um Fehler in Fahrzeugen auszulesen und Testwerte für Diagnosen zu erlangen, ähnlich wie sie es aus der Praxis gewöhnt sind. Die Prüfungsleistungen werden anschließend weitestgehend vollautomatisiert ausgewertet. Eine Ausnahme stellt hierbei das Prüfungsfach „Wirtschaft und Gesellschaft“ (Politik) dar.
Der geringe Bedarf an Betreuungs- und Aufsichtspersonal und die Tatsache, dass die Prüfungen  verhältnismäßig zeitunabhängig stattfinden können, führen darüber hinaus in der Schule dazu, dass kein weiterer Unterricht ausfallen muss. Dies ist ein weiterer großer Vorteil und macht den Aufwand an Entwicklung- und Organisationarbeit für eine Online-Prüfung mehr als wett.
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Frank Lönne-Hölting
Berufliche Schule Fahrzeugtechnik Hamburg (BS 16)
frank.loenne-hoelting@hibb.hamburg.de

Workshop 4: Strukturelle Verankerung der Nachhaltigkeitsidee in der Berufsbildungspraxis

Bereits seit längerer Zeit wird darüber diskutiert, wie Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBnE) die Fachkräfte dazu befähigen kann, durch ihre Berufsarbeit bewusst einen Beitrag zu leisten, die globalen Probleme des übermäßigen Ressourcenverbrauchs und der ungleichen Chancen der Wellbevölkerung zu verringern. Zahlreiche Nachhaltigkeitsprojekte haben Impulse gesetzt und Wege aufgezeigt, aber es ist bisher noch nicht gelungen die Leitidee der nachhaltigen Entwicklung strukturell in der Berufsbildung zu verankern.
Nach Abschluss der UN-Dekade wurde 2015 das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) gestartet. Dieses fünfjährige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, langfristig eine systemische Veränderung aller Bereiche des Bildungssystems zu bewirken und Bildung für nachhaltige Entwicklung darin strukturell zu verankern. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 geleistet werden, die im September 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde und die 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung – die Sustainable Development Goals (SDGs) – umfasst. Da Berufsarbeit immer Ressourcennutz nutzt und in der globalisierten Wirtschaft vernetzt ist, hat die Befähigung zur „Mitgestaltung der Arbeitswelt und Gesellschaft in sozialer, ökonomischer und ökologischer Verantwortung“ (KMK 2011, S. 14) in der Ausbildung eine wichtige Funktion zur Erreichung der 17 SDGs inne.
In dem Workshop sollen – anknüpfend an dem Plenumsvortrag „Entwicklung nachhaltiger Lernorte“ von Kl.-D. Mertineit – Ansätze zur strukturellen Verankerung der Nachhaltigkeitsidee in der Berufsbildungspraxis diskutiert und konzipiert werden. Anregungen sollen zwei Impulsvorträge zur „nachhaltigkeitsbezogenen Lehrerfortbildung“ und zur „Didaktik der BBnE“ sowie eine Kurzpräsentation über Erklärvideos zum Thema geben.
Thomas Vollmer & Sören Schütt-Sayed

Didaktische Umsetzung der Leitidee der Nachhaltigkeit im Beruflichen Unterricht

Für eine strukturelle Orientierung der Berufsbildung an der Leitidee der nachhaltigen Entwicklung ist die Frage zu klären, wie dies didaktisch erfolgen kann. Mit diesem Impulsvortrag wird ein Didaktik-Ansatz vorgestellt, der im Rahmen des BiBB-Förderprogramms „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBnE)“ erarbeitet wurde mit dem Ziel BBnE vom „Kopf auf die Füße“ zu stellen. Das heißt, der hier vorgestellte Ansatz der BBnE-Didaktik geht von realen beruflichen Handlungssituationen aus, wobei sich die Gestaltung der Lehr-Lern-Arrangements an der Leitidee der nachhaltigen Entwicklung orientiert. Nachhaltigkeitsorientierte Bildungsprozesse setzen demnach Handlungssituationen mit ökonomischen, sozialen und ökologischen Zusammenhängen auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene in Beziehung. Ziel ist die Förderung nachhaltigkeitsbezogener Reflexionsfähigkeit als Teil der Handlungskompetenz, die ein ganzheitliches Verstehen dieser Zusammenhänge ermöglicht und Berufsarbeit in den Kontext ihrer gesellschaftlichen Wechselwirkungen stellt. Zur Planung solcher BBnE-Lernsituationen werden Analysekriterien vorgestellt, die es ermöglichen, über die berufliche Mitwirkung an der Zukunftsgestaltung nachzudenken und damit eine positive Berufsidentität zu erlangen. Dieser Impulsvortrag ist als Anregung gedacht, für die Erarbeitung konzeptioneller Überlegungen zur strukturellen Verankerung von Nachhaltigkeit in die Berufsbildung.
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Thomas Vollmer
Universität Hamburg
vollmer@bag-elektrometall.de

Lehrerfortbildung zur Gestaltung nachhaltigkeitsbezogener Lehr-Lern-Arrangements

Für die Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBnE) haben Fortbildungen für praktizierende Lehrerinnen und Lehrer eine wesentliche Bedeutung: „Fortbildungen zu einem Thema sind die Voraussetzung, dass sich später die Schulgremien mit diesem Thema auseinandersetzen können“ (Michelsen et al. 2012, S. 158). Allerdings gibt es kaum Lehrerfortbildungen im Bereich der beruflichen Bildung, welche sich mit der Leitidee der nachhaltigen Entwicklung beschäftigen und an die Gegebenheiten der Praxis orientieren. Es wird konstatiert, dass die „Schlüsselfunktion des Berufsbildungspersonals bislang zu wenig strategisch genutzt“ wird für BBnE (Mohorič 2014, S. 189-191), dabei werden die Lehrer als Schlüssel zur Etablierung der Leitidee der nachhaltigen Entwicklung in die Gesellschaft angesehen (Michelsen et al. 2012, S. 30).
Um diese Lücke zu schließen, wurde eine Fortbildungsreihe für Lehrkräfte zur Umsetzung einer Beruflichen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung konzipiert, durchgeführt und evaluiert. Dieser Impulsvortrag stellt das Konzept dieser praktisch erprobten BBnE-Fortbildungsreihe vor als ein Schlüssel zur strukturelle Verankerung der Nachhaltigkeitsidee in der Berufsbildungspraxis. Damit soll eine Anregung für den Workshop gegeben werden, die dazu beiträgt, gemeinsam Ansätze für eine nachhaltigkeitsorientierte Berufsbildung zu entwickeln.
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Sören Schütt-Sayed
Universität Hamburg
soeren.schuett@uni-hamburg.de

Entwicklung und Einsatz von barrierefreien Erklärvideos zum Thema Energiewende

In diesem Beitrag wird ein innovatives Durchführungs- und Evaluationskonzept einer im Wintersemester 2017/2018 erstmalig durchgeführten Lehrveranstaltung vorgestellt, die sich besonders mit der Vernetzung von Fach- und Fachdidaktik im Studiengang Lehramt an Beruflichen Schulen (LAB) in Hamburg beschäftigt. In dem Seminar befinden sich jeweils zur Hälfte Studierende aus dem Bachelor Teilstudiengang Erziehungswissenschaft (Universität Hamburg) und Master Teilstudiengang gewerblich-technische Wissenschaften (Technische Universität Hamburg), so dass auch eine Vernetzung untereinander stattfindet. Die Lehrveranstaltung wird im Rahmen des Projektes „Professionelles Lehrerhandeln zur Förderung fachlichen Lernens unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen (ProfaLe)“ mit Mitteln der vom BMBF geförderten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ durchgeführt und befasst sich mit der Entwicklung und dem Einsatz von barrierefreien Erklärvideos zum Thema Energiewende.
Zentrales Ziel ist die Förderung der Erklär- und Medienkompetenz der angehenden Lehrkräfte. Die im Verlauf der Lehrveranstaltung produzierten Erklärfilme sollen barrierefrei gestaltet werden, weil bestmögliche Zugänglichkeit im Rahmen einer inklusiven Schule immer mehr gefördert und erwartet wird. Dazu wird mit der Servicestelle InkluSoB (Inklusive Schule ohne Barrieren) der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg kooperiert. Das Thema „Energiewende“ stellt dabei einen aktuellen gesellschaftspolitischen Bildungsanspruch dar, der besonders in den gewerblich-technischen Berufen einen hohen berufspraktischen Bezug hat. Fachlich befassen sich die Studierenden u. a. mit nachhaltigkeitsbezogenen Themen wie E-Mobilität und der Brennstoffzelle. Der Hauptteil des Seminars befasst sich mit der Planung und Erstellung eines eigenen Erklärfilms. Die Studierenden erfahren in theoriegeleiteten Lerneinheiten aber auch, in welcher Art und Weise Erklärfilme im Berufsschulunterricht eingesetzt werden können und stellt somit einen praxisorientierten Zugang zur späteren Lehrertätigkeit dar. 
Die Lehrveranstaltung wird mit einem Pretest-Posttest-Design evaluiert. Dazu wird zu Beginn der Veranstaltung ein fehlerbehafteter Erklärfilm gezeigt, der viele Kriterien eines guten barrierefreien Erklärfilms nicht erfüllt. Die Studierenden werden aufgefordert sich das Video anzusehen und begründet und differenziert zu erläutern, ob das Erklärvideo für den Unterrichtseinsatz geeignet ist. Danach erfolgt die Intervention in Form eines theoretischen Inputs und einer praktischen Aufgabenstellung (s. o.). Zum Seminarabschluss erfolgt der Posttest, um den signifikanten Wissens- und Fähigkeitszuwachs der Studierenden festzustellen. Es ist geplant, das Seminar in den kommenden Semestern im Sinne des Design-Based Research Ansatzes zu wiederholen.
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Dr. Wilko Reichwein
Universität Hamburg
reichwein@gmx.net